Corona als

Die Zeit der Lähmung in den Unternehmen ist vorbei. Home-Office organisieren, Kurzarbeit anmelden, stornierte Aufträge managen, Bankkredite beantragen:

Die tagesaktuellen Probleme, die die Unternehmen in den letzten Wochen beschäftigt (bzw. gelähmt) haben, hat man mittlerweile (weitgehend) im Griff. Jetzt geht es ums Überleben. Und überleben werden – mit Blick auf sinkende Umsätze, zusammenbrechende Märkte, dahinschmelzende Gewinne und eine langanhaltende Rezession – nur die Fittesten.

 

Also machen sich die Unternehmen fit. Man überprüft, ob man wirklich die besten Manager unter Vertrag hat, die der Markt bietet, oder aber, ob andere Manager nicht mehr (möglicherweise sogar für weniger Geld) leisten. Man überprüft Strukturen und Prozesse. Man legt Bereiche und Funktionen zusammen, man trennt sich vom Speck, der sich in wirtschaftlich guten Zeiten angesammelt hat. Man dreht an der Kosten-,Optimierungs- und Rationalisierungsschraube. Viele nutzen zudem solche Krisenjahre, um sich von Managern zu trennen, die man in guten Zeiten nur schwerlich (und für viel Geld) losgeworden wäre.
Nachvollziehbar, denn:

 

• Im Galopp wechselt man nicht das Pferd! Dieser Spruch gilt auch für die Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft (und das eigene Geschäft) brummt und man nicht weiß, wie man die Aufträge abarbeiten soll, wechselt man nicht seine Top-Manager aus. Die Gefahr, dass dadurch das Abarbeiten von Aufträgen ins Stocken gerät, ist viel zu groß.

• In wirtschaftlich guten Zeiten ist man mit dem Ausbau des Geschäfts und dem Abarbeiten der Aufträge bestens ausgelastet. Die Zeit, zu überprüfen, ob man wirklich die besten Leute an Bord hat, ist meist nicht vorhanden.

• In guten Zeiten hat man auch nicht die Notwendigkeit, zu überprüfen, ob man wirklich die „besten“ Manager an Bord hat. Solange sich Umsätze und Renditen positiv entwickeln, ist der Druck zur Veränderung nur gering oder gar nicht vorhanden.

 

Das Besetzungskarussell dreht sich sehr schnell – und doch eher unbemerkt


Viele Manager haben aktuell den Eindruck, dass sich auf dem Top-Arbeitsmarkt gar nichts mehr tut: Waren schon in der Vergangenheit Stellenanzeigen und Headhunteranfragen für Top-Positionen sehr selten, sind diese in den letzten Wochen nochmal deutlich zurückgegangen, je nach Branche sogar ganz zum Erliegen gekommen.


Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass Stillstand bei der Neubesetzung von Top-Positionen Einzug gehalten hätte. Man könnte aber auch den Schluss daraus ziehen, dass Unternehmen noch zurückhaltender (und diskreter) vorgehen, wenn es darum geht, sich von Top-Managern zu trennen und neue ins Unternehmen zu holen. Sollten Sie bereits Leser unseres Newsletters sein, werden Sie vermutlich der zweiten Überlegung zustimmen.

 

Diskretion ist in Krisenzeiten eine der wichtigste Währungen!


Und: Es ist doch auch kein Wunder, dass Firmen in Krisenzeiten so agieren. Niemand möchte – angesichts der schwierigen Zeiten – zusätzlich Unruhe ins Unternehmen bringen (oder sich gar schlechte Presse einfangen). Und da jeder Wechsel auf Top-Level umso mehr Unruhe verursacht, je öffentlicher man diesen vollzieht, umso diskreter geht man vor. Nicht selten auch deswegen, weil man nicht möchte, dass der aktuelle Stelleninhaber, den man zwar loswerden will, aber natürlich erst dann, wenn man einen neuen gefunden hat, seinen Job vorzeitig „hinschmeisst“. Selbst eine diskret formulierte Stellenanzeige stellt gewiefte Leser nicht vor ein echtes Problem, herauszufinden, welches Unternehmen sich wohl dahinter verbirgt und um welche Positiones geht.


Auch einen Headhunter zu beauftragen, 50 – 100 Kandidaten per Direktansprache zu kontaktieren, wird nicht dafür sorgen können, dass nicht doch vorzeitig etwas durchsickert. Umso mehr versucht man über eigene Bordmittel, Netzwerke etc. an neue Top-Manager zu kommen.

Der Wettbewerb um Top-Positionen verschärft sich

 

Professionalisierung statt Hoffen auf den glücklichen Zufall


Corona wird uns allen noch mehr zu schaffen machen, als die Finanzkrise in den Jahren 2009 / 2010. Aber auch zu damaligen Zeiten haben unsere Kunden nicht weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen als in wirtschaftlich guten Zeiten. Top-Manager, die wirklich „was drauf haben“ und bei denen es sich nicht um Schönwetterkapitäne handelt, sind gerade in Krisenjahren durchaus gefragt.


Aber: Der Wettbewerb um die – sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten – sehr überschaubare Zahl von Top-Positionen nimmt zu und hat bereits zugenommen. Einen Mangel an Top-Führungskräften wird es zukünftig weniger denn je geben. Daher wird man als veränderungswilliger (oder zur beruflichen Veränderung gezwungener) Top-Manager noch weniger als in guten Jahren darauf vertrauen können, dass einem der Headhunter oder das eigene Netzwerk den neuen Job „auf dem Silbertablett“ serviert.


Wer in diesem Wettbewerb bestehen will, muss sich professionalisieren – gerne mit unserer Hilfe – und selbst die Initiative ergreifen. Improvisation und das Hoffen auf den glücklichen Zufall sind absolut tödlich.

 

Aus: https://www.vogel-detambel.de/research-der-weg-zur-latenten-vakanz/